Ein Teil von mir

Wann ist Ihnen Trésor das erste Mal begegnet?
Als ich gerade daran arbeitete. Es war eine wirklich riesige Sache für Lancôme, denn damals gab es große klassische Düfte nur in Verbindung mit Luxusmode-Designern und nicht von Kosmetikmarken. Lancôme war die erste von ihnen, die eine Trendwende herbeiführte und einen riesigen Erfolg damit verbuchen konnte.

 

 

Es heißt, dass Sie als Muse von Lancôme damals Einfluss auf die Duft-Entwicklung nahmen?
Das ist richtig. Ich hatte die Führungskräfte darum gebeten, in den Meetings dabei sein zu dürfen. Damit ich das Grundprinzip hinter den Entscheidungen nach- und mitverfolgen konnte. Schließlich war mir klar, dass ich das Parfum auch durch Interviews bewerben sollte. Und das gelingt nur, wenn man wortgewandt ist, kenntnisreich und informiert.

Hat Lancôme Ihnen Ihre Bitte erfüllt?
Ja! Ich war dabei, als verschiedene Kompositionen getestet wurden. Und dabei habe ich mich in eine von ihnen verliebt, wusste jedoch nicht, ob sie es ins Finale schaffen würde. Und sie kam unter die besten Drei! Dann fragte mich ein Lancôme-Manager: „Isabella, welches würdest Du wählen?“ Ich sagte es ihm. Die überraschende Antwort: „Dann wird es genau das.“ Ich war überglücklich! Öffentlich für eben jenen Duft zu kämpfen, der so sehr mein Herz berührte, erleichterte mir meinen Job enorm. Mehr noch, er wurde mir zur puren Freude!

Wie erinnern Sie sich an die Kooperation mit der Parfumeurin von Trésor, Sophia Grojsman?
Wir trafen uns zum Lunch, worum ich gebeten hatte. Und sie verriet mir: „Ich habe diesen Duft vor vielen Jahren komponiert. Der Film Casablanca hat mich dazu bewegt.“ Ich fiel fast vom Sessel, konnte es kaum glauben! Sophia war vom berühmtesten Movie meiner Mutter, Ingrid Bergman, inspiriert worden. Ohne zu wissen, dass ich ihre Kreation repräsentieren würde. Isn’t this amazing? Es sollte so sein. Das Parfum war ein immenser Erfolg. Und ich trage es auch heute noch. Es ist ein Teil von mir.

 

 

Welche Erinnerungen weckt Trésor in Ihnen? Würden sie es als zeitgenössischen Klassiker bezeichnen? Falls ja – warum denn?
Als ich das erste Mal Trésor erschnupperte, dachte ich mir, dass es unglaublich originell und facettenreich ist. Ich konnte keine seiner Ingredienzien oder eine spezifische Blume benennen. Weil es so mysteriös und opulent ist, liebte ich es – ein magisches Elixier. Auch heute ruft Trésor in mir diese Reaktion hervor, obwohl es für mich zur zweiten Haut geworden ist.

Die erste Trésor-Werbekampagne hat Peter Lindbergh fotografiert. Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an dieses Shooting denken?
Die Mode-Journalistin Diana Vreeland pflegte zu sagen: „There is no beauty without emotions.“ Diese Aussage hat Peter wahr gemacht. Er fotografierte Gefühle und konnte deshalb jeden, der sich bewegte, reizvoll zeigen. Peter war ein sehr, sehr herzlicher und süßer Mann, sodass jeder, den er vor seiner Linse hatte, sein Schutzschild senkte und ihm gestattete, seine Seele zu offenbaren.

Warum sind Parfums für Sie wichtig?
Es ist eine intime Freude, die wir uns ganz leicht jeden Tag selbst bereiten können. In jeder Zivilisation gab es Parfums, manche wurden in den ältesten archäologischen Ausgrabungen entdeckt.

Penelope Cruz bewundert Sie seit ihrer Kindheit. Was haben Sie gefühlt, als Sie erfuhren, dass sie das Gesicht von La Nuit Trésor ist?
Wir trafen uns bei der Party zum 80. Geburtstag von Lancôme. Damals wusste ich noch nicht, dass ich wieder zu Lancôme zurückkehren würde, das mich 22 Jahre zuvor als Muse quasi „in Pension geschickt“ hatte. Penelope ging schnurstracks auf mich zu und gestand mir: „Ich bin mit Mode-Magazinen aufgewachsen und liebte die Werbungen von Lancôme. Als man mich bat, Lancôme-Botschafterin zu werden, tat ich es wegen Ihnen.“ Wie berührend es doch ist, dass Penelope mir eine solche Ehre erwiesen hat! Immer, wenn ich sie in einer Werbung sehe, denke ich an ihre Liebenswürdigkeit und Sensibilität. Die Werbung sagt: „Trésor, the fragrance for treasured moments“, richtig?
Mit Penelope gesprochen zu haben, war ein so geschätzter, kostbarer Moment für mich.

Meister-Parfumeurin Sophia Grojsman über Trésor von Lancôme

„Eine Wolke aus Rosen, die das moschusartige Aroma von Pfirsichen umhüllt: Dieser Akkord ist die Vision, das Gerüst von Trésor, seine Seele. Zu dieser Skizze habe ich andere Noten hinzugefügt. Und da ist es in Fleisch und Blut: Trésor. Warum muss ein Rosenduft denn unbedingt wahnsinnig kompliziert sein? Es ist, als würden Sie eine Blume malen. Zuerst das Herz, dann die Blüten. Wissen Sie, ich wünsche mir, dass wir uns als Frauen dank Parfums wohler in unserer Haut fühlen und die Trivialitäten des Alltags besser meistern können. Ja, Parfums sind für die Seelen der Frauen wie Medizin.“ Sophia Grojsman, Frida Kahlo der Haute Parfumerie

Kopfnoten: Rosenblüten, Aprikosenblüten, Pfirsichblüten
Herznoten: Maiglöckchen, Vanille, Vanilleblume, Iris
Basisnoten: Sandelholz, Moschus

 

 

Foto Header: Nico Bustos for Lancôme © 2020